Compoundbogen

Die Geschichte und die Technik des Compound-Bogens

Das Sport-Bogenschießen wird mittlerweile in mehrere Bogen-Klassen eingeteilt. Die Recurve-Bögen haben sich hier besonders durchgesetzt, doch auch Blank- oder Langbögen sind nach wie vor beliebt. Letztere sind meist aber in geringerer Anzahl vertreten. Eine besondere Bogenklasse stellt jedoch der Compound-Bogen dar. Dabei handelt es sich um die Bogen-Art, welche am präzisesten auf den Schützen eingestellt werden kann. Wer dachte, dass sich schon beim Recurve viele Bestandteile individualisieren lassen, sollte sich mit dem Compound befassen. Dieser bietet ein wahres „Festessen“ für Technik-Interessierte. Viele Einstellungen können und müssen sogar getätigt und genau beachtet werden, damit der jeweilige Schütze sein Ziel auch trifft. Ansonsten ist das Gold nämlich nur im Visier, und eben nicht auf dem Punktezettel, vertreten.

Die Entwicklung des Compound-Bogens

Wie jede andere Bogen-Art auch, kann der Compound-Bogen eine interessante Entstehungsgeschichte vorweisen. Diese ist recht zeitgenössischer Natur und liegt nicht mehrere Jahrhunderte oder gar Jahrtausende zurück. Der Erfinder des Compound-Bogens ist Holless Wilbur Allen. Jener hat in den frühen 60er Jahren diese Bogen-Klasse in den USA entwickelt. Hierbei hatte er vor allem den Einsatz von Rollen im Sinn, die die Leistung des Bogens verbessern sollten. Auch die Bogenjagd wurde zu diesem Zeitpunkt sehr populär. Dementsprechend hat sich Allen, auch mit Hinblick auf seinen Beruf als Mechaniker, für die Verbesserung des Bogens engagiert.

Besonders beeindruckt war er in diesem Zusammenhang vom „Pro Medallist“, einem Hoyt-Bogen. Dabei handelte es sich um eine der ersten Gerätschaften, welche einen Stabilisator für eine verbesserte Präzision einsetzten. Die Leistungsfähigkeit wollte Allen zusätzlich aber noch mit den erwähnten Rollen erweitern. Anfangs nahm er sich einen Recurve-Bogen zur Hand, schnitt die jeweiligen Enden der Wurfarme ab und befestigte dort die Rollen, die auch „Cams“ genannt werden. Das bemerkenswerteste Resultat war die besonders kurze Auszugslänge. Dementsprechend experimentierte Allen mit mehreren Rollen-Systemen.

Als sehr effizient und leistungssteigernd erwiesen sich hier exzentrische Scheiben. Die Vorteile dieser Technik waren ausschlaggebend für den Schützen und zeigten sich vor allem darin, dass…:

  • eine längere Auszugslänge erreicht wurde
  • sich das Zuggewicht bei vollem Auszug aufgrund der Rollenform auf den Fingern verringerte.

Gerade der zweite Punkt war für Allen von entscheidender Bedeutung. Schließlich hatte er eine Möglichkeit gefunden, Bögen mit hohem Zuggewicht herzustellen, welche aber trotzdem einfach zu halten und zu schießen waren. Eine erhöhte Reichweite war dadurch ebenfalls möglich, was im Zuge der Bogenjagd selbstverständlich auch gelegen kam.

Zur erstmaligen Eintragung von Allens neu erfundenem Bogen kam es am 23. Juni 1966, 1969 wurde dieser dann stattgegeben. Leider stockte anschließend das weitere Vorgehen, da Allen keinen interessierten Hersteller finden konnte. Daher versuchte er kurzerhand auf eigene Faust, seinen Bogen zu publizieren. Nur wenige Schützen waren anfangs am Compound-Bogen interessiert, da sich für viele das versteckte Potential dieser neuen Technik noch nicht erschloss.

Compoundbögen bei 4komma5.de

Trotzdem waren bis 1977 mehr als 100 verschiedene Compound-Modelle fertiggestellt, während es lediglich etwa 50 verschiedene Recurve-Bögen gab. Trotz der Schwierigkeiten bezüglich der Suche nach einem Hersteller konnte Allen also seine Technik durchsetzen und damit vor allem den Bereich „Jagdbogen“ revolutionieren. Auf Turnieren wird mit Compound-Bögen natürlich ebenfalls geschossen, auch wenn die meisten Schützen nach wie vor eher zum Recurve tendieren. 1979 verstarb Holless Wilbur Allen.

Bis heute wurde der Compoundbogen natürlich kontinuierlich weiter entwickelt. Die eigentliche Technik wurde zwar durch Allen eingeführt, jedoch besteht solch ein Bogen mittlerweile aus wesentlich mehr, als nur dem exzentrischen Rollsystem. Es sind heutzutage auch die kleinen Eigenschaften und Anpassungsmöglichkeiten, die diese Bogen-Klasse ausmachen. Das ist der Grund, weswegen der Compound-Bogen nicht unbedingt als Bogen-Klasse für Anfänger geeignet ist. Die vielen Einstellungsmöglichkeiten könnten gerade Neulinge abschrecken. Daher greifen viele Anfänger doch zum Recurve zurück, welcher wiederrum aber oft den Weg in Richtung des Compund-Bogens ebnet.

Wie funktioniert ein Compound-Bogen?

Allen hat die exzentrischen Rollen für seinen Compound-Bogen eingeführt und erstmals genutzt. Doch wie genau funktioniert eigentlich das System eines Compound-Bogens? Grundsätzlich besitzt auch diese Bogen-Art ein Mittelteil und zwei Wurfarme. An den Enden der Wurfarme befinden sich die Cams, also die Rollen, wobei mittlerweile sehr viele unterschiedliche Systeme angeboten werden. Beispielsweise existieren auch so genannte „Single-Cams“, welche auf der Gegenseite nur eine Umlenkrolle und eben keine Cam montiert haben. Die Cams sind dennoch der wichtigste Bestandteil eines Compound-Bogens, da diese für das sogenannte „Let off“, also die Reduzierung des Zuggewichts, verantwortlich sind. Beispielsweise bedeutet hier der Faktor „65 Prozent Let Off“, dass beim vollständigen Auszug 65 Prozent weniger Zugstärke auf den Fingern des Schützen liegt, was ein angenehmes Zielen ermöglicht. Besitzt dieser zum Beispiel einen Bogen mit 60 lbs., hält er im ausgezogenen Zustand nur noch 21 lbs.

Maßgeblich ist auch das Bogenfenster, welches dafür sorgt, dass der Pfeil das Mittelteil nach dem Lösen nicht so stark umfliegen muss, wie es beispielsweise beim Recurve-Bogen der Fall ist. Darüber hinaus ist das angebaute Visier durch das Bogenfenster deutlich erkennbar. Die Sehne wird in der Regel mit einem „Release“ gezogen, welches am „Loop“, einer kleinen Schlaufe an der Bogensehne für den Auszug angebracht ist. Für den Auszug bis 40 lbs. kann auch ein Fingertab zum Einsatz kommen, wie es viele bereits von den Recurve-Bögen kennen. Wer jedoch mit einem Fingertab auszieht, sollte dementsprechende Recurve-Pfeile und zusätzlich eine Recurve-Pfeilauflage, bei der eine Feder seitlich am Mittelteil absteht, verwenden.

Hierbei handelt es sich um die Grundbegriffe, die beim Compound-Bogen eine wesentliche Rolle spielen und über die jeder Schütze Bescheid wissen sollte. Anfangs prasseln hier sehr viele Informationen auf den Laien ein, jedoch sollte ein Bogenhändler selbstverständlich alle nötigen Fachbegriffe erläutern können, damit ein optimaler Einstieg in die Technik der Compound-Bögen gewährleistet ist. Übrigens sollte die Seriennummer des verwendeten Bogens stets in Griffweite liegen, da mit ihr dadurch besonders simpel Ersatzteile für den jeweiligen Bogen bestellt werden können. Das „SET“ ist wichtig, weil es sich dabei um die aktuelle Einstellung des Bogens handelt. Der Beitritt in einen Bogensport-Verein kann ebenfalls sehr hilfreich sein, da hier erfahrene Schützen und Trainer bei der Bewältigung dieser Bogen-Klasse behilflich sein können.

Von der Grundeinstellung bis hin zur persönlichen Auslegung

Der Begriff der „Grundeinstellung“ ist beim Thema Compound-Bogen etwas kompliziert. Kommt das Sportgerät direkt vom Werk, ist eine solide Grundeinstellung, welche vom Einsteiger-Schützen nicht mehr deutlich geändert werden muss, gegeben. Die Pfeilauflage sollte so ausgerichtet sein, sodass der Pfeil in einer Linie zur Sehne zeigt. Dementsprechend wird beim Compound-Bogen ein „Centershoot“ geschossen, was beim Recurve wiederum nicht der Fall ist. Auch der Nockpunkt muss richtig eingestellt sein, damit der Pfeil einen rechten Winkel zur Höhe der Pfeilauflage bildet. Hier hört es mit den Grundeinstellungen aber schon auf, denn spätestens jetzt kommt es auf den Schützen persönlich an. Viele Faktoren spielen nämlich eine grundlegende Rolle.

Ein Compound-Bogen muss an die persönlichen Eigenschaften eines jeden Schützen angepasst werden. Die Individualisierung fängt bei der Größe des Schützen an und endet bei den Armlängen, der daraus resultierenden Auszugslänge, sowie dem Augenabstand. Die Auszugslänge ist besonders wichtig, weil der Schütze ansonsten die korrekte Schießhaltung nicht einnehmen kann. Die Haltung und der Stand sind allerdings signifikant, wenn Sie das Gold der Zielauflage nicht einfach nur treffen, sondern alle auch möglichen Punkte aus einem Schuss herausholen wollen. Entsprechend wichtig ist also die Länge der Sehne, wofür Sie auf jeden Fall einen Fachmann zu Rate ziehen sollten.

Des Weiteren sollte die Sehne im vollen Auszug höchstens nur bis zum Mundwinkel und der Nasenspitze reichen. Da beim Compound-Bogen in der Regel mit einem Release geschossen wird, ist die Auszugslänge nur wenige Zoll kürzer, als es beim Recurve-Bogen der Fall ist. Auch das Loop, in welches das Release eingehakt wird, ist sehr wichtig,. An diesem lässt sich die Sehnenlänge optimal auf den jeweiligen Schützen einstellen, wobei das Loop nicht größer als 2,5 Zentimeter ausfallen sollte, damit es den Pfeil beim Abschuss nicht berührt und somit in eine schiefe Bahn lenkt.

Dem Visier sollten Sie ebenfalls besondere Beachtung schenken. An diesem ist meist eine Wasserwaage befestigt, wodurch immer überprüft werden kann, in welchem Winkel Sie den Bogen zurzeit halten. Jedoch bedarf auch dies einer Einstellung, wofür eine zweite Wasserwaage benötigt wird, die an der Bogensehne angebracht werden sollte. Diese Einstellungen sind sehr wichtig und gerade dann, wenn Sie einen gebrauchten Bogen, beispielsweise beim Online-Auktionshaus ebay, ersteigern, sollte auf jeden Fall ein Fachmann aufgesucht werden. Dieser sollte genau darauf achten, ob der von Ihnen gekaufte Compund-Bogen auch wirklich zu Ihnen passt, damit Sie ein lupenreines Schieß- und Treffer-Erlebnis genießen können.

Vor allem in der Anfangszeit eines Schützen gibt es einige Dinge, die nachwirkend noch optimiert werden sollten. Doch auch für solche Angelegenheiten sollte zumindest ein zweites Paar Hände vorhanden sein, da solche Einstellungen alleine nur sehr schwierig vorgenommen werden können.

Die Cam-Typen

Im Bereich der exzentrischen Rollen, also der Cams, gibt es mehrere Typen zu finden, zwischen denen der Schütze auf jeden Fall unterscheiden sollte. Nicht alle Cams sind beispielsweise rund, weswegen dem Schützen verschiedene Bauarten und Geometrien zur Verfügung stehen. Die Kraft wird jeweils auf unterschiedliche Weise auf den Pfeil übertragen und die Funktionsart ist nicht unbedingt immer dieselbe. So gibt es die bekannten runden Cams, bei denen es noch vergleichsweise wenig zu beachten gibt, da Sie die Energie schlichtweg umleiten.

CamZeitgenössische Compound-Bögen bringen jedoch ovale Cams mit sich, auf Grundlage derer weitere Einstellungen von Ihnen vorgenommen werden können. So kommen ovale und runde Cams bei einem einzelnen Compound-Bogen gemeinsam zum Einsatz, um die aufgebaute Energie optimierter abgeben zu können. Dies funktioniert dank der synchron laufenden Cams, wobei der Pfeil bei solch einer Anwendung stets einen kleinen Stoß abbekommt und die Flugbahn anfangs etwas wackelig und ungenau wirkt. Die Tuning-Möglichkeiten stiegen im Laufe der Jahre an, da die Hersteller nicht tatenlos herumsaßen, sondern sich verschiedene Lösungsansätze ausdachten.

So können die Cams nachjustiert und der Nockpunkt für den Pfeil verändert werden, um die Präzision zu erhöhen. Jedoch sind mittlerweile auch Compound-Bögen zu finden, die oben und unten je ein ovales Cam nutzen. Dabei sollte jedoch stets beachtet werden, dass alle Veränderungen identisch an beiden Cams durchgeführt werden müssen, damit die synchrone Funktionsweise beibehalten werden kann. Ansonsten überträgt sich die von Ihnen aufgebaute Kraft nämlich ungleichmäßig auf den Pfeil, was zu einer sehr unruhigen Flugbahn und zu schlechteren Schieß-Ergebnissen führt.

Welche Cams Sie letztendlich nutzen wollen, ist jedoch Ihre eigene Entscheidung. Alle Cams bringen verschiedene Vor- und Nachteile mit sich und Sie selbst sollten wissen, welche Strategie Sie verfolgen wollen. Tüftler und Technik-Spezialisten sind hier allerdings gerne gesehen.

Stabilisatoren

Bei Recurve- sowie Compound-Bögen sind Stabilisatoren ab einem bestimmten Zeitpunkt ein Muss für den Schützen. Anfangs sollte die Schusstechnik trainiert werden, durch einen Stabilisator kommt jedoch noch mehr Präzision ins Spiel. Mit einem langen Stabilisator verlagert sich das Gewicht nach vorne, was ein ruhigeres Zielen ermöglicht. Das allgemein höhere Gewicht sorgt zudem für eine größere Masse, welche die Energie nach einem abgeschossenen Pfeil besser aufnehmen kann. Zusätzlich werden die Vibrationen im Bogenarm des Schützen minimiert.

Stabilisatoren werden von vielen Herstellern angeboten. Oft ist ein Stabilisator in einem Komplettpaket eines Compound-Bogens enthalten. Manchmal empfehlen Händler und Verkäufer aber auch den Direktkauf eines Stabilisators, der für einen erfahreneren Schützen irgendwann unabdingbar wird. Wichtig ist zu wissen, dass sich der Effekt vergrößert, je länger der Stabilisator ausfällt. Spinnen-Stabilisatoren kommen jedoch nicht zum Einsatz, da daraus eine Schieflage des Bogens resultiert und sich dies auf den Zielvorgang auswirkt.

Das Release

Jeder Schütze muss für sich selbst wählen, welche Art von Release am sinnvollsten erscheint, denn auch hier gibt es mehrere Ausführungen zu entdecken. Allerdings sollte ein Release immer zum Einsatz kommen, damit die Sehne gerade nach vorne gelöst werden kann. Ein Fingertab bewirkt oft ein seitliches Lösen der Sehne, was sich auf die Flugbahn des abgeschossenen Pfeils auswirkt. Das Handschlaufen-Release wird beispielsweise am Handgelenk befestigt. Der Schütze löst das Release mit einem Finger, wie es auch beim Gewehr der Fall ist. Allerdings kann bei dieser Release-Art etwas Präzision verloren gehen, da die Handschlaufe verrutschen könnte.

Das Kaskaden-Release hingegen bringt einen anderen Mechanismus mit sich. Durch den Daumen wird ein Hebel betätigt, welcher wiederum eine Sperre löst. Entfernt sich der Daumen nun von diesem Hebel, wird der Schuss -im wahrsten Sinne des Wortes- freigegeben. Daneben gibt es jedoch noch weitere Release-Varianten, wie beispielsweise das Backtension-Release mit Kippwinkel oder Krafterhöhung. Schauen Sie sich alle Arten genau an und probieren Sie sie aus. Nur so können Sie das geeignete Material für sich selbst finden und den Schießmechanismus optimieren.

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